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Saturday, April 25, 2009

Geburtsbericht Johanna

So, hoffentlich komme ich jetzt dazu, den Geburtsbericht in einem Zug durchzuschreiben.
Warnung: Personen mit schwachem Herzen und Kleinkinder bitte weglesen, nicht geeignet für Diabetiker.
Unsere Tochter Johanna ist eine echte drama queen. Ich versuchte sie die letzten Tage vor der Geburt auf vielerlei Weise zu überreden, sich aus meinem Bauch in diese Welt zu begeben - vergeblich - verlorene Liebesmüh. Am Dienstag um 17h wurde ich dann im KH stationär aufgenommen. Es war schon seltsam ins Spital zu fahren, um ein Kind zu bekommen und es nicht total hektisch zu tun, also in letzter Sekunde und mit einem verängstigten Taxi-Fahrer, der nicht genau weiß, wer eigentlich die Putzkosten für eine geplatzte Fruchtblase übernimmt.
Dienstag.
Wir fuhren ganz relaxt mit den Öffis, Peter war zu dem Zeitpunkt bereits bei meiner Mutter und sollte dort auch übernachten (da waren wir noch überzeugt, dass Johanna im Laufe der Nacht kommt).
Im Spital bekam ich zunächst mal meine Uniform für die nächsten Tage - ein sexy Nachthemd und einen Bauchstrumpf. Der Bauchstrumpf ist eine Art zu kurz, zu eng und zu häßlich geratener Minirock. Den zieht man sich über den dicken Schwangerschaftsbauch und dann kann man CTG schreiben. Das CTG war nicht schön. Man beurteilt CTGs nämlich nach Schönheit, da sagt die Ärztin da entweder: "Na wunderschön" oder eben "Das ist jetzt nicht so schön". Jedenfalls war das erste CTG nicht so schön und ich mußte Positionen wechseln, herumgehen und bekam eine Infusion mit Elektrolyten. Die Einleitung stand unter einem unsicheren Stern, ohne schönes CTG wird gar nicht eingeleitet. Nachdem die Hebamme dann endlich eine Position für mich fand, in der das CTG schön war, mußte ich in dieser 1h verbringen und zog mir arge Verspannungen zu. Dann wurde ich vom Gerät abgehängt und durfte runter auf die Station. Und dann passierte erst einmal gar nix. Das nächste CTG war erst für 21h vorgesehen und danach würde VIELLEICHT eingeleitet werden und dann müßte ich noch warten bis überhaupt etwas wirkt. Jedenfalls schickte ich den Eber nach Hause (damit er Dr. House schauen kann).
Um 21h CTG. Wunderschön. Dann kam der Oberarzt und verpaßte mir die Einleitung mittels einer Prostaglandintablette. Und dann durfte ich wieder runter auf die Station.
Diese Nacht schlief ich etwas unruhig, weil ich 1. darauf wartete, dass ich endlich Wehen einstellen und 2. im Zimmer Gesellschaft hatte in Form einer Mutter mit sehr laut schreiendem Baby. Das Interessante: vom Geschrei des Babys wachte ich auf, und wahrscheinlich auch der Rest der Station, nur die Mutter schlief munter weiter.
Mittwoch.
Am nächsten Morgen, um 8h, wieder CTG und die nächste Tablette, nachdem sich nach der ersten so gar nix getan hat (Muttermund war noch fest fest zu). Aber die 2., die wirkt meistens, sagen Arzt und Hebamme. So innerhalb der nächsten 4h wird es wohl losgehen. Die Hebamme ist übrigens die, die mir auch schon während Peters Geburt die ganze Nacht beigestanden hat.
Den Vormittag verbrachte ich dann wieder auf der Station, auf Wehen wartend. Um 12h30 war das nächste CTG vorgesehen, und ich hatte bis dahin ca. 2-3 Wehen. Besser als nix, aber viel zu wenig. Beim CTG wurde dann auch wieder der Muttermund kontrolliert, und tatsächlich: 2cm, was soviel bedeutet, dass die Geburt noch nicht im Gange ist. Die Hebamme meinte, wenn die Tablette bis jetzt nicht gewirkt hat, wird wahrscheinlich erst die 3. wirken, die mir am Donnerstag in der Früh verabreicht werden sollte. Wie auch immer, nächster CTG Termin um 15h30.
In der Zeit dazwischen bekam ich Besuch von meiner Mutter, Peter und Eber. Der Eber nahm den Peter mit nach Hause, nachdem es ja erst am nächsten Tag losgehen würde.
Während sie zu Besuch waren, hatte ich leichte, unregelmäßige Wehen, die eigentlich nicht erwähnenswert waren. Barbie-Wehen. Mini-Wehen. Als ich zum nächsten CTG ging, war der Muttermund aber immerhin auf 4cm, es ist also losgegangen. Ich fragte den Arzt, für wann ich denn meinen Mann ins Spital bestellen soll und er meinte, na jetzt hat es noch keinen Sinn und die Hebamme sagte, ich kann ruhig noch spazieren gehen. Sie verließen das Kreißzimmer und ich blieb am CTG hängen, immer stärker vor mich hinwehend. Als die Hebamme nach einer Viertelstunde nach mir sah, schlug ihr mein Anblick das mit dem Spaziergang gleich aus dem Kopf. Stattdessen fragte sie erstaunt, ob ich meinen Mann den gar nicht dabei haben will. Ich natürlich - ganz geschockt - was, es geht schon echt los? Jaja.
Sie setzte mich unter die warme Dusche auf einen Pezi-Ball, auf dem ich auf und ab wippen sollte, zur Entspannung und ich begann, Telefonate zu führen:
Magda ---> Mutter:
Ich: Fahr schnell zum Peter, es geht los.
Mutter: Ok, ich bin in ca. 1h dort.
Ich: Nein, schnell, nimm dir ein Taxi!!! (Ist sie wahnsinnig???)
Mutter: Oh, ich weiß aber nicht, wie man sich eines bestellt, bitte ruf du dort an. Aber dass es erst in 15 Min. da ist.

Magda ---> Taxi:
Bitte ein Taxi in die K.....gasse um 5 vor halb 5.

Magda ---> Eber:
Ich: Es geht los, meine Mutter ist schon unterwegs zu euch.
Eber: Sag deiner Mutter, sie soll mich anrufen, bevor sie da ist, dann übernehme ich gleich ihr Taxi. Der Peter schläft gerade.

Mutter ---> Magda:
Mutter: Wäre es nicht besser, der Peter kommt zu mir?
Magda: Nein, er schläft jetzt, ich muss Schluß machen, habe so Schmerzen.
Mutter: Geh bitte.

Eber ---> Magda:
Eber: Bitte ruf deine Mutter an, sie hat dem Taxi-Fahrer gesagt, er soll ins Spital fahren. Ich habe sie zwar berichtigt, weiß aber nicht, ob sie mich verstanden hat.

Magda ---> Mutter:
Magda: Nicht ins Krankenhaus, zu uns in die Wohnung!!!
Mutter: Ich nehme den Peter dann zu mir.
Magda: Ok, egal, mach was du willst, ich hab Schmerzen.
Mutter: Geh bitte.

Nochmals zu Erinnerung: Alle diese Gespräche führte ich unter der Dusche auf einem Peziball sitzend, vor Wehen stöhnend, aufpassend, dass das Handy keine Wasserspritzer abbekommt.

Nach einer halben Stunde verließ ich die Dusche und kam in den Kreißsaal. Die Wehen wurden immer heftiger, meine Hebamme sprach mir so gut sie konnte Mut zu. Der Eber schneite schließlich ganz außer Atem um 17h30 rein. Ich befand mich bereits in einem Stadium nahe des Deliriums.
Von den letzten 45 Minuten der Geburt weiß ich noch Folgendes:
Ich hatte Schmerzen wie noch nie. Auch nicht damals bei Peters Geburt. Ich glaubte, ich muss sterben. Ich flehte um einen Kaiserschnitt. Gibt es im KFJ nicht auf Wunsch. Ich flehte um ein Schmerzmittel. Die Hebamme erklärte mir, es sei dafür zu spät. Ich flehte weiter. Sie hängte pro forma eine Schmerzinfusion über mich, schloß sie aber nicht an, was ich erst nach ein paar Minuten merkte. Der Arzt versicherte mir, dass das Baby gleich da ist. Ich glaubte ihm kein Wort.
Die Hebamme öffnete die Fruchtblase, die bis dahin nicht von alleine geplatzt war. Das Fruchtwasser war klar und irgendein Wort, das mit "Dicksau...." anfängt und was medizinisches bedeutet. Das weiß ich noch, weil ich scherzte, niemand nennt mich Dicksau, was bei Arzt und Hebamme Schweißausbruch verursachte, weil sie dachten, ich meine das ernst.
Die Preßwehen kamen. Ich durfte nicht pressen. Ich mußte aber. Ich versuchte tief zu atmen, zum Baby zu atmen, in den Bauch zu atmen, einfach nur weiter zu atmen. Ich bekam eine Sauerstoffmaske.
Ich sollte mich auf den Rücken legen und die Hebamme nahm meine Hand, damit ich das Köpfchen fühlen kann. Es war also wirklich so weit. Ich brauchte 3 Preßwehen, bis der Kopf draußen war (beim Peter nur 1). Ich entkam um ein Haar einem Dammschnitt. Als der Kopf geboren war, waren meine Wehen plötzlich weg. Ich preßte weiter, was natürlich total sinnlos war. Ich bekam ein Wehenspray und konnte die ganze Zeit nur denken: wieso flutscht sie nicht, wieso? (Peters restlicher Körper hatte auch nur 1 Preßwehe gebraucht). Ich spürte, wie die Hebamme in mir herumhantierte und das Kind aus mir rauszerrte. Johanna schrie gottseidank sofort und ich war so erleichtert.
Ihre Atemwege wurden freigesaugt, der Eber schnitt die Nabelschnur durch und sie wurde mir auf den Bauch gelegt. Sie ließen sie mir ganz lange, weil gerade auch ein anderes Baby geboren war und das zuerst zum Waschen kam.
Meine Beine zitterten wie wild und ich fühlte mich zu schwach, um sie an die Brust zu nehmen. Irgendwann kam dann noch die Nachgeburt. Insgesamt war ich während der Geburt 2x mal ohnmächtig geworden, woran ich mich allerdings nicht erinnern kann.
Als sie Johanna schließlich zum Baden und Anziehen mitnahmen, begann ich erst zu realisieren, dass es wirklich vorbei war. Der Eber kam rein und gab mir Updates über Johannas Zustand. Sie hatte eine geburtstraumatische Armplexusparese erlitten. Sie bewegt ihren linken Arm fast gar nicht. Noch ist unklar, wie lange die Genesung dauern wird.
Die brachten mit Johanna dann gebadet und angezogen und dann endlich stillte ich sie, was sofort gut klappte, im Gegensatz zu Peter.
Obwohl es die betreffenden Personen hier nicht lesen werden, möchte ich mich bei meiner allerbesten Hebamme EWA bedanken, die haargenau wußte, wie sie mit mir umspringen muss, sowie auch bei DR. GOLDMANN, der die ganze Geburt und die Zeit danach sich wirklich rührend um uns gekümmert hat. Letzten Mittwoch rief er mich sogar an, um sich nach Johannas Arm zu erkundigen.
Und ohne den Eber hätte ich es auch nicht geschafft. Er wußte immer, was er sagen mußte, um meine letzten Kräfte zu mobilisieren.
Danke danke danke. Dass ihr mit mir Johanna auf die Welt gebracht habt.

16 comments:

  1. Oh Gott sag ich da nur. Ich überleg' es mir dann doch Kinder zu bekommen.
    Ich bin echt froh, dass alles gut gegangen ist! Und hoffe das Johanna jetzt auch noch so relaxt ist:-)

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  2. ...der Eber schnitt die Nabelschnur durch und sie wurde mir auf den Bauch gelegt.


    Ich kann mich gar nicht daran erinnern, daß dir jemand die Nabelschnur auf den Bauch gelegt hat....

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  3. toll, zuerst war ich voll… naja.. wie soll ich sagen…dafür gibt es keine worte…wahnsinn…schlimm..als ich den post las und dann liest man so ein kommentar von sapperlott. da muss man ja lachen. super, ganz toll.

    also, was ich eigentlich schreiben wollte: schön das die Johanna da ist, ein dreifaches hoch auf alle helfer und auf die mutter. Hoch, hoch hoch

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  4. Puh! Klingt nicht wie etwas, das man erlebt haben muss... Ich hoffe, die kleine Johanna ist bald rundum topfit und der schwierige Start in ihr Leben verblasst zu einer fernen Erinnerung.

    Alles Gute Euch vier!

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  5. oh magda, eine schöne geburt ist auch was anderes oder? hoffentlich vergißt du das alles bald. sag bescheid, wenn ihr soweit seid besuch zu empfangen. pe und ich kommen gern vorbei oder wir gehen spazieren, wenn du soweit bist.
    viele grüße!

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  6. Hallo liebe magdarine!!!

    ah die lieben kinderlein... jetzt hast du es hinter dich gebracht!!! und das auch super gemeistert!!! BRAVO!!!! das beste an deinem geburstbericht fand ich das telefonat.. wirklich witzig!

    und das mit den eingeleiteten wehen kenne ich auch leider von meiner 2geb. total schlimmer und schmerzhafter ABER es war dann bei dir wie bei mir wenn es losging gings auch schnell los, also viele schmerzen aber bald baby im arm!!!!

    jetzt ist alles vorbei und du kannst endlich deine kleine prinzessin im arm halten!!

    ALLES LIEBE nochmals für euch 4!!!

    LG

    Beba ;)) (reddevilgirlbeba)

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  7. Liebe Magdarine,
    zum Glück ist alles gut gegangen und zum Glück vergisst frau soooo schnell die Schmerzen und die Anstrengung bei der Geburt! Ich hoffe, dass es auch bei dir so ist!
    Nach deinem Post zu schließen, der wiedermal genial ist, geht es euch aber wieder gut!
    lg aus Mannheim
    Lisbeth

    P.S.: ich liebe deinen Blog!

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  8. Oh, das ist ein spannender Bericht! Zuerst dachte ich, es endet so wie bei meiner großen. Aber es wurde dann ja doch alles "gut".

    Herzlichen Glückwunsch!

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  9. Oje, liebe Magda - DAS hat meine biologische Uhr wieder für ein Weilchen in den Schlummermodus versetzt... :/

    Tapfer warst du! Ich glaube, ich hätte ob der Telefoniererei ein paar Leute ermordet. *g*

    Herzlichen Glückwunsch!

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  10. Wahnsinn! Ein echtes Wunder! Aber man ist doch froh, wenn man dann sein Baby im Arm hält.

    Mein erstes war ein Kaiserschnitt - das wünsche ich niemandem, ist eine große Bauch-OP mit allen Risiken und Komplikationen. Eine natürliche Geburt hört sich vielleicht für jemanden, der noch keine Kinder hat, schrecklich an, doch ich würde ihr immer den Vorzug geben, nachdem ich beides erlebt habe.

    Mein zweites ist einfach rausgepurzelt, ein wundervolles Erlebnis.

    Und ein Junge und dann ein Mädchen, das ist die perfekte Familie ;-)

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  11. *kreisch* ich lach mich schlapp. Auch wenn es sehr dramatisch war. Aber wie du schreibst, köstlich!!!

    Ich hatte übrigens zwischendurch der Hebamme eine Rippe gebrochen :)

    Trotzdem. Alles Gute dir und der neuen Erdenbürgerin

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  12. es bestätigt sich mal wieder: die letzten Abenteuer erlebt man als Gebärende im Kreißsaal.
    Dank an Sapperlots Kommentar.
    Euch eine gute Zeit und liebe Grüße
    Friederike

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  13. oh, sapperlott aber auch,
    Sapperlott schreibt sich ja mit zwei "t".
    Grüße
    Friederike

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  14. Schön ,dass sie nun da ist, die kleine Drama-Queen!
    Sehr anschaulich geschrieben - hat mich stellenweise in meine Geburtssituation zurückversetzt. Es gibt Schöneres, aber es zahlt sich aus.
    GLG

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  15. Na da hast du ja was durchgemacht.
    Aber hauptsache alles ist gut gegangen.
    Ich hoffe, Johanna geht es gut und dass sich das mit ihrem Arm regelt.
    Bei mir wurden die Geburten von beiden Kindern eingeleitet, nachdem ich 12 Tage über Zeit war. Am 13. Tag kamen sie dann.

    Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit miteinander!
    Biene

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  16. Magdalena hat viel, viel Arbeit, man sieht es, weil es keine Neuigkeiten gibt

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