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Saturday, November 1, 2008

Die kulinarischen Abenteuer des Wiener Ebers

Bin ja schon seit Längerem auf der Suche nach einem wirklich coolen Ereignis, welches ich verbloggen könnte. Leider hielt mich meine Verkühlung die ganze vorherige Woche im Bett gefangen und ein solches Ereignis kam da nun mal nicht vorbei.
Geschwächt in meiner Weibeskraft, konnte ich meinen ehelichen Pflichten nicht zu 100% nachkommen, wie z.B. auch jener, auf den Mann aufzupassen, damit er nicht auf seltsame Ideen kommt. Der Eber nutzte die Gunst der Stunde und ließ seinen Ideen freien Lauf.
Als erstes verwirklichte er seinen lang geplanten Angelausflug. Am Mittwoch läutete der Wecker um 4h und der Eber begab sich ans Donauwasser zum Fischen, genauer gesagt, zum Spinnen. Ich wünschte ihm ehrlich Erfolg. Noch.
Schließlich ist es sehr frustrierend, wenn man als Angler von jedem Ausflug ohne Fisch zurückkehrt. Um ca. 8h checkte ich die Lage telefonisch und da hatte ich einen enttäuschten Mann ohne Fisch dran, der zwar einige Köder in umherstehenden Bäumen versenkt hatte, jedoch keine Anglertrophäe in Händen hielt. Resigniert, wollte er noch ein bisschen werfen üben und dann nach Hause zu Frau und Sohn kommen. Das Schicksal hatte allerdings etwas Anderes vor. Es meinte es gut mit dem Eber und etwas weniger gut mit einem gewissen Döbel, auch Aitel genannt, der nichtsahnend in der Gegend herumschlenderte und sich plötzlich an einem Anglerhaken verhing.
Ich bekam einen euphorischen Anruf mit der Information, dass mein Mann Beute heimbringt und wir endlich nicht mehr hungern müssen.
Gott-sei-Dank war der Fisch bereits tot, als er die Schwelle unserer Wohnung überquerte. Der Eber machte sich sogleich an grausliche Tätigkeiten in der Küche, die ich - obwohl ja Revier der Frau - für die nächste Stunde sorgsam mied. Ab einem gewissen Zeitpunkt mied ich dann auch das Bad.
Schließlich bat mich der Mann, im Internet nach einem Rezept zur Zubereitung eines Döbels/einer Aitel zu suchen. Nun, ich suchte, wurde fündig und konnte in jedem Anglerforum nur wenig schmeichelhaftes über den Geschmack dieses Fisches herauslesen. Rezept war aber vorhanden, in Essigwasser für 1h marinieren, dann braten. Alles in allem, eine sehr unappetitliche Angelegenheit, zumindest für mich. Es roch in der ganzen Wohnung innerhalb kürzester Zeit nach Fisch und Essig, eine Kombination, die wohl nicht der große Renner bei der nächsten Ambi-Pur Tagung sein wird. Als der Fisch dann gebraten wurde, mischte sich noch eine Note Verkohltheit in den Duft - herrlich, sage ich Euch!
Der Eber war immer noch fest entschlossen, den Döbel zumindest zu kosten. Nach einem Bissen wurde der Fisch ohne großes Bedauern entsorgt und der Müll sofort rausgetragen.
Einige Male hatte ich noch Schuppen und Fischteile in den Händen, die zufällig irgendwo kleben geblieben waren und der Geruch hielt sich auch noch sehr penetrant bis in die späten Abendstunden hinein. Der Sohn tat sein Möglichstes, um diesen mit einem anderen Geruch zu überdecken, es nutzte jedoch alles nichts. Die Lösung war klar: eine neue, intensivriechende Speise musste gekocht werden.
Der Eber ging also Suppenfleisch kaufen und machte so an die 11l frische aromatische Rindsuppe. Danach war endlich nichts mehr vom Fisch zu merken.
Man möchte meinen, dass der Eber für einige Zeit geung vom Kochen haben würde, aber bereits vorgestern kam er wieder mit 17kg Rindfleisch nach Hause und verkündete, dass es Gulasch machen wird, und das noch um 20h. Ich glaube, der Sohn hörte den Vater in der Küche werkeln und fürchtete ein neuerliches Fischmassaker, denn an diesem Abend gab er ein Schreikonzert wie sonst nie. Nach ca. 4h war das Gulasch endlich fertig. Der Eber hat heute zum Frühstück davon gekostet und berichtet mir eben, dass es sehr gut ist.

Unser Gefrierschrank ist jedenfalls zum Bersten voll und wir sind für die nächsten Monate gewappnet.

3 comments:

  1. Ich und der Fisch:
    www.saucool.at/aitel.jpg

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  2. 17 kilo rindfleisch? worauf genau bereitet ihr euch vor? wisst ihr etwas, was ich noch nicht weiß? soll ich mich auch mit essen eindecken?

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  3. Das Rindfleisch ist beim Penner in Aktion: 3,99€/Kilo.

    Da konnte ich nicht widerstehen.

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