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Friday, September 26, 2008

Farin Urlaub, Teil 2

Nachdem ich mir habe anhören müssen, dass das "goa nix mehr wird" mit meinem Urlaubsbericht, kommt er hier nun, der 2. Teil unserer Reise.
Über ihn wurde bereits in einem anderen Blog berichtet, man möge sich auch diese Version zu Gemüte führen.

Am Sonntag nach der Hochzeit fuhren wir nach Krakau, wo wir meine Schwiegereltern trafen. Unser Quartier war ein Hostel ohne Lift, wir sahen uns also der Herausforderung gegenübergestellt, alle Sachen inkl. Sohn mit eigener Mannes- und Weibeskraft 3 Stockwerke raufzutragen.
Die Zimmer selbst waren sauber, im Bad allerdings stank es nach Kanal und wääääh. Noch dazu wurde das Bad dank voll aufgedrehter Heizung auf einer konstanten Temperatur von 30°C gehalten, damit auch wirklich ALLE Bakterien dort Party feiern können. Dementsprechen ungern benutzten wir diese Räumlichkeit.
Am nächsten Tag war es dann soweit. Unsere Abenteuer-Tour sollte losgehen. Wir hatten von Wien aus ein Auto gemietet, mit dem wir dann 1 Woche den Süden Polens erkundschaften wollten. Auf unserem Voucher stand Abholung 14h. Da wir vorhatten, etwas früher loszudüsen, rief ich beim Autovermieter an, ob es denn möglich wäre, das Auto bereits um 12h abzuholen. Dann - die große Überraschung - der Auoverleih wußte gar nicht, dass wir ein Auto gemietet hatten. Große Bestürzung beim Kunden (=wir), wie auch peinliche Berührtheit beim Vermieter (schließlich hatten wir einen gültigen Voucher). Der Mietwagenfritze versprach mir, alles zu klären und mich anzurufen, wir hingegen beschlossen, unsere Nägel nicht bis auf die Haut abzukauen und stattdessen eine kurze Stadtbesichtigung zu unternehmen. Noch während meine Schwiegereltern die Kathedrale bewunderten, erhielt ich die Nachricht, dass ein Auto für uns bereitsteht.
Nach einem leichten Kreditkartenchaos durften wir das Auto, einen Hyundai irgendwelche Buchstaben und Zahlen, endlich in Empfang nehmen. Wir hatten eigentlich ein viel kleineres Auto gemietet gehabt, aber durch die Umstände erhielten wir sozusagen ein Zufalls-Upgrade.
Wir fuhren los. Der Sohn schrie. Armin de Garmin redete Blödsinn. Wir nahmen ihn ernst und wurden über ärgste und engste polnische Straßen geführt. Wir fluchten möglichst jugendfrei. Wir sangen Kärntnerlieder. Und irgendwann um 21h oder so waren wir endlich endlich da, in Sanok. Eigentlich etwas außerhalb, also mitten im Nirgendwo. Es war stockdunkel, ein junger Herr wies uns den Weg zu unserem Häuschen. Wir hatten nach wie vor viel Gepäck und ich fragte, ob das Haus leicht weit weg sei. Jaja, war die Antwort, schließlich sind wir hier ja in den Bergen.
Nur so zur Erklärung: in Polen hat das Wort "Berg" eine etwas andere Bedeutung. Der höchste Berg Polens, die Schneekoppe, Schneeeeeeeekoppe (jaja, Eure Müsliriegel kommen alle aus Polen), ist mit ihren 1602m nur etwa 3x so hoch wie der höchste Berg Wiens, der Hermnannskogel, mit 542m. Und jeder Steirer oder Kärntner lacht alleine bei dem Gedanken, dass man dazu tatsächlich "Berg" sagt.
Der höchste Berg Österreichs hingegen, der Großglockner ist wiederum ca. 3x so hoch wie die Schneekoppe.
Nachdem es aber stockdunkel war, als wir ankamen, widersprach dem netten Herrn niemand, am nächsten Tag jedoch begutachteten die Bergmenschen aus Kärnten die sanfte hügelige Landschaft.
In den Bergen blieben wir bis Samstag. In dieser Zeit besuchten wir das Freilichtmuseum in Sanok, eine orthodoxe Holzkirche, von denen es in dieser Gegend viele gibt, eine Ikonenwerkstätte, einen Stausee, eine aus Kommunisten-Zeiten übrig gebliebende sog. Michbar, sowie Wackelsteine. Jede dieser Sehenswürdigkeiten würde einen eigenen Blog-Eintrag verdienen.

Samstag früh früh früh (5h) verließen wir die Berge, um das Auto termingerecht (12h) in flachere Gefilde zurückzubringen. Wir erreichten Krakau überpünktlich, luden alles aus, brachten das Gepäck in die Gepäckaufbewahrung, wo es bis 22h auf uns warten sollte, Eber, Sohn und Schwiegereltern ließ ich auf ein polnisches Einkaufszentrum los, bezahlte noch einen Strafzettel wegen Falschparkens, und fuhr endlich zum Autovermieter, von dem ich überzeugt war, dass er bereits seit einiger Zeit mit Spannung wartete, ob er das Auto zurückbekommt oder nicht.
Tja, hier wieder eine polnische Eigenheit: man nimmt es nicht so genau mit den Terminen. 20 Min. vor 12 war ich vorort und niemand von den Autovermietern war im Büro. Ich telefonierte. Der Autovermieter erinnerte sich dunkel daran, ein Auto vermietet zu haben, das tatsächlich an diesem Tag zurück sein sollte, aber naja, er ist gerade gaaaaaanz woanders, ich soll doch bitte Papiere und Schlüssel beim Portier des Hotels lassen und fröhlich meiner Wege gehen. Ich leistete Widerstand. Wie denn? Was denn? Und wer soll mich bitte dafür bewundern, dass ich keinen Kratzer reingemacht habe? Und überhaupt, muss ich nicht was unterschreiben oder so?
Ich wollte vom Portier eine Unterschrift, die bestätigte, dass ich das Auto wohlauf und vollgetankt zurückgebracht habe, erntete aber einen Blick, der sagte "wo kommst denn Du her?!". Wohl oder übel machte ich mich auf den Weg ins Einkaufszentrum, um den Rest meiner Reisetruppe zu treffen. Von den Autovermietern habe ich nie wieder was gehört.
Am Nachmittag machten wir uns noch auf den Weg zur Hl. Faustina, die in Krakau gelebt hat. Zu ihrer Heiligsprechung wurde in Krakau eine riesige geschmacklose Basilika hingepflanzt und die wollten wir sehen. Ist wirklich nicht besonders hübsch.
Am Abend ging dann unser Zug nach Wien und läutete endgültig das Ende unseres bewegten Urlaubs ein.

3 comments:

  1. lol, "wo kommst denn Du her?!", lol

    Wien hat dich anscheinend geprägt :-)))

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  2. Sehr flott beschrieben, die vergangene Zeit, das kann ich wirklich bestätigen

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