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Friday, June 20, 2008

Exstirpation einer zervikalen lymphoepithelialen Zyste, die sich im lateralen Halsbereich befand

Das war's also.
Am Montag kam ich ins Spital und wurde gleich einmal damit konfrontiert, dass eine der Stationsschwestern eine Bekannte (natürlich polnische) meiner Mutter ist, die mit ihr auf einer (ebenfalls polnischer) Wallfahrt war. Und so wurde ich dank polnischer Kooperation in ein Sonderklasse-Zimmer gelegt, nur ich und der Sohn. Der Sohn blieb aber nicht, er fuhr mit seinem Vater, dem Eber wieder nach Hause, damit ich mich vor der OP etwas ausruhen kann, was ich nicht konnte, weil ich sehr aufgeregt war.
Von der polnischen Schwester wurde mir dann mein 2. Chirurg vorgestellt, auf den sie anscheinend große Stücke hält, denn sie präsentierte ihn mit den Worten: "Das ist der beste Chirurg". Ein Wunderkind offensichtlich, denn er kann nicht viel älter sein als ich und ist schon der Beste. Diesen Gedanken faßte ich charmanterweise auch gleich in Worte, und der Chirurg meinte nur, das dies eine berechtigte Anmerkung.
Besuch von der Anästhesistin gab es auch. Ich bat sie, bei der Intubation besonders vorsichtig zu sein, da ich ja Sängerin bin. Sie sagte, ich muss ab Mitternacht nüchtern bleiben. Und da sagte ich, ich hätte ohnehin nicht vorgehabt, mir Mut anzutrinken. Den Witz verstand sie nicht, oder aber sie hört ihn von quasi jedem Patienten und kann nicht mehr drüber lachen.
Die OP war für den nächsten Tag, also Dienstag, um 9 vorgesehen und ich konnte in der Nacht kaum schlafen.
Am nächsten Tag zog ich mir gleich in der Früh sexy Anti-Thrombose-Strümpfe an, halterlos. Und ein OP-Nachthemd, falsch herum, also vorne offen. Von der Putzfrau wurde ich höflich belehrt, dass das verkehrt rum ist. Aha.
Es verging 9 Uhr. Es verging 10 Uhr. Um halb 11 wurde ich dann von einem sog. Träger, der aber eigentlich nur ein Schieber war, abgeholt. Ebene 9, OP-Bereich, sagte der Otis-Lift.
Und dann wartete ich. Und dann kam eine andere Anästhesistin, der alles genau überliefert worden war.
Ich: Sie wissen eh, ich glaub, Ihre Kollegin hat's reingeschrieben in die Kartei...
Sie: Jaja, ich weiß, sie neigen zu Übelkeit.
Ich: Auch, aber v.a. bin ich Sängerin.
Sie: Ähm...aja genau.
Dann kam zwangsläfig die ganze Prozedur mit dem Auf-den-OP-Tisch-Legen. Da muss man dann eben das Nachthemd, das verkehrte, ausziehen und bekommt eine knallgrüne OP-Decke. Und dann fuhr eine Platte unter mir durch und hob mich auf den OP-Tisch.
Im OP selber wurde ich dann vom OP-Team gebeten, Pamina zu singen bis ich einschlafe. Ich sang und weiß nicht, bei welchem Takt ich eingeschlafen bin. Ich weiß noch, ich habe die Anästhesistin mit "Frau Anästhesistin" angesprochen.
Ich erwachte noch im OP. Interessanterweise bekommt man die Chirurgen selber nie zu Gesicht. Die Wissenschaft zweifelt an der Authentizität von Shakespeare's und Homers (nicht Simpsons) Werken, aber über die Chirurgen, die man nie sieht, macht sich wieder einmal keiner Gedanken.
Kurz nach der OP ging es mir gar nicht so schlecht. Ich war noch ganz high von den Beruhigungs- und Schmerzmitteln und außerdem ganz euphorisch, dass ich wieder aufgewacht bin und nun Sohn und Gatten sehen kann, sodaß ich null Beschwerden hatte.
Und dann kam der Mittwoch. Mit Fieber. Und Schmerzen. Und Schwellung. Und Heiserkeit nach der Intubation. Ich konnte kaum schlucken und kaum reden. Soviel zu "passen Sie auf, ich bin Sängerin". Ich bin mir nicht sicher, ob die da den Zusammenhang kapiert haben, oder ob das so war wie "passen Sie auf, ich bin Landschaftspflegerin". So what?
Mein Sohn war bei mir, ich hatte viel Besuch (danke, alle!!!) und die Betreuung der Schwestern und Ärzte war wirklich hervorragend. Ich wurde ins riesige Kinderzimmer verlegt, das ich ganz für mich alleine hatte. Das Essen war allerdings Spitalsfraß und ich sage das nicht, weil es das Klischee verlangt, über Spitalskost zu lästern. Im KFJ war das Essen nämlich ausgezeichnet.
Mein Mann hat in der Zwischenzeit unsere Küche ausgemalt. Pfirsichfarben.

Heute wurde ich heimgeschickt. Gestern wurden mir noch die Stimmbänder untersucht (über die Nase...uaaaah) und sie schließen nicht. Toll, ganz toll.
Ich habe Schmerzen. Mein Hals ist geschwollen wie bei einem Mumps-Patienten. Und ich bin heiser. Ich trage einen Verband, der bis mind. Dienstag nicht naß werden darf (Haare waschen war ein Abenteuer, sag ich Euch). Am Dienstag gehe ich dann zur Nachuntersuchung. Histologie-Befund ist auch noch ausständig und davor habe ich natürlich etwas Bauchweh.
Also, nicht aufhören an mich zu denken. Bis mind. Dienstag. Danke.

5 comments:

  1. Aus gegebenen Anlass sehe ich mich zu folgenden unpassenden Kommentaren hingerissen:

    Die Polnische Schwester hat den Sohn übrigens bewundert, weil er so ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen hat. Dass das auch am Vater liegt, hat sie gleich kategorisch ausgeschlossen. Der spricht schließlich kein Polnisch.

    Ich kann dazu nur sagen: Magdalena war vor, während und nach der OP ganz ruhig und das hat sich auf das Kind übertragen. Das hat nichts mit mir zu tun. Ich spreche schließlich kein polnisch.

    Der beschriebene Träger im Blog war übrigens deshalb Schieber, weil die Betten geschoben, nicht getragen werden. Illegale Schieber gibt es auch, aber nicht in diesem Krankenhaus.

    Zitat: Ich weiß noch, ich habe die Anästhesistin mit "Frau Anästhesistin" angesprochen. (Ende)
    Meine Mutter hat mal den Kammerjäger mit "Herr Kammerjäger" angesprochen, weil sie dachte, das sei sein Nachname...


    Zu meiner Verteidigung: Die Küche ist nicht Pfirsichfarben. Die Farbe die ich tatsächlich gekauft habe heisst LACHS.

    Am Dienstag wissen wir, ob Magda jemals ihre Karriere als Sängerin fortsetzen kann (Stimmbänder die nicht schließen). Haltet uns die Daumen.

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  2. @sapperlott
    dem ist nichts hinzuzufügen ;-)

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  3. und wie ich die Daumen halte. Ich lasse die gar nicht mehr los. Wer von euch beiden das liest, sagt Grüße dem anderen, ich denk an Euch, ich denke an dich, Magdalena ...
    ganz, ganz lieben Gruß
    Friederike

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  4. Ohh...Magda, ich halte dir soo die Daumen! Sitze gerade im Shuttle (mit free WiFi - Internet drin!!) zum Flughafen nach San Francisco, neben mir sizt Abby und liest und es wäre sehr fad, wenn ich nicht online gehen hätte können -- und dein blog just made my day! Trotz all der Beschwerden doch so humorvoll schreiben zu können ist eine tolle Gabe!
    Wünsche dir allerbaldigste Besserung und freu mich mehr zu lesen!

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  5. Arme Magda, denk natürlich weiter unermüdlich an dich! Werd auch versuchen mir den halben Tag frei zu nehmen um mehr an dich denken zu können!
    Da ich weiß wie es ist, intubiert zu werden, kann ich dir nachfühlen!
    Drück die Daumen!

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